Freund*innen, Foren oder Pornografie zur Sexualaufklärung? Frag lieber LOVIS

„Peinlich, peinlicher, Sexualkunde.” So nehmen viele Jugendliche die sexuelle Aufklärung in der Schule wahr. Unbehagen und Scham hindern sie daran, im Klassenzimmer die Fragen zu stellen, die ihnen wirklich unter den Nägeln brennen. Die Folge: Sie fühlen sich alleingelassen. Klar ist, dass die Aufklärung für eine positive und verantwortungsvolle Haltung jedes*r Einzelnen gegenüber Sexualität und für eine tolerante und respektvolle Gesellschaft unentbehrlich ist. Aber wie gelangen Teenager*innen an seriöse, altersgerecht aufbereitete Informationen in einem Raum frei von Peinlichkeit? FragLovis ist die Antwort.

Das digital.engagiert-Team FragLovis macht Sexualbildung digital. Es entwickelt eine Wissensplattform mit integriertem Sex-Ed-Chatbot, über den sich junge Menschen anonym und altersgerecht über Themen der sexuellen Entwicklung informieren können.

#SexEducation: Aufklärung, die ankommt

„Viele Fragen, die Teenager rund um ihre eigene Sexualität haben, werden von Eltern oder Lehrkräften nicht beantwortet“, beschreibt Jana Pyrek, eine der Gründerinnen von FragLovis, die Situation. Zufluchtsort junger Menschen ist das Internet. Doch auch hier finden Jugendliche nicht immer seriöse Hilfe. Das bestätigt auch der Blick zurück auf die eigene Schullaufbahn: „Wir haben uns gefragt, mit welchen Themen wir uns im Stich gelassen gefühlt haben und wo es Lücken gab. Das war für uns definitiv die Sexualbildung“, erklärt Jana. Nicht nur Einzelerfahrungen, auch Studien decken diese Lücke auf: Jede*r zehnte Teenager*in kann das eigene Wissen zur sexuellen Entwicklung nicht richtig einschätzen. Insbesondere der Schulunterricht schneidet als Informationsquelle schlecht ab.

„Was vielen Schüler*innen fehlt, ist ein geschützter Raum, in dem offen gefragt und geantwortet werden kann, in dem man nicht ausgelacht oder bloßgestellt wird“, ergänzt Jana. Es ist aber nicht nur die Art der Informationsvermittlung. Auch die Anforderungen an die thematische Ausrichtung der Sexualbildung haben sich geändert. Schüler*innen wünschen sich andere Themen: sexuelle Orientierung, Gender, Identität. Themen, die auf den öffentlichen Agenden zu finden sind, aber kaum im Lehrplan. „Diese Themen brennen auch uns unter den Nägeln. Wie muss es Jugendlichen gehen, wenn selbst ich mich nicht traue, alles zu fragen?“, überlegt Jana.

FragLovis antwortet: 24/7

Für dieses Problem hat das Team eine Lösung gefunden: Ein Chatbot, der mithilfe von künstlicher Intelligenz automatisch auf individuelle Fragen von Nutzer*innen zum Thema Sexualität eingeht. Der Vorteil von LOVIS – wie sie den geschlechtsneutralen, fiktiven, aber dennoch personalisierten Bot nennen – ist seine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit. „Jugendliche bekommen Informationen in Echtzeit, zum Beispiel mitten in der Nacht, wenn Sorgen sie am Schlafen hindern“, so Antonia Böttinger, Mitgründerin von FragLovis. Integriert ist LOVIS in eine Website, die gleichzeitig als digitale Wissensplattform dient.

„Einige Chatbots erlauben es ihren Nutzer*innen, frei formulierte Fragen zu stellen, andere lenken sie, indem sie ihnen Fragen stellen und so das Themengebiet immer weiter eingrenzen“, erklärt Sarah Holzenkamp, die das Gründerinnen-Trio komplett macht. Dafür sind große Datenmengen, etwa vorformulierte Fragen und Antworten, notwendig. Um den Bot auf die Fragen der Nutzer*innen vorzubereiten, ist das Team sowohl mit Jugendlichen, Lehrkräften als auch mit Ärztinnen und Ärzten im Austausch. Noch ist der Chatbot ein Prototyp – gemeinsam mit ihren Unterstützer*innen beim digital.engagiert-Hackathon haben sie diesen entwickelt. Eine neue Design-DNA zeichnet sich auch schon auf der Website und auf Social Media ab – vor allem auf Instagram nimmt die Aktivität des Teams an Fahrt auf. Denn über diesen Kanal ist die junge Zielgruppe besonders gut zu erreichen.

Dank Förderung richtig durchstarten

Den Weg ins Unternehmertum haben die drei Oldenburgerinnen mit BWL-Hintergrund nicht zufällig eingeschlagen. Ab Herbst wird das Team durch das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und durch das Jugend-Budget des Bundesjugendministeriums gefördert. „Wir sind überglücklich, dass wir gegründet haben und zwei Finanzierungen in Aussicht haben. Tatsache ist aber, dass die Vorbereitungen mehr Ressourcen beanspruchen als gedacht“, berichtet Jana. Zu den organisatorischen Aufgaben zählen vor allem die weitere Meilensteinplanung, die Ausschreibung von Stellen in den Bereichen Marketing und Tech und die Vorbereitung der Arbeitspakete, die mit den jeweiligen Finanzierungssträngen angegangen werden sollen.

„Am Anfang des Förderzeitraums hatten wir die Idee, Sexualbildung zu verbessern. Von der Gründung waren wir noch weit entfernt. Jetzt sind wir ein Social Start-up – das ist unglaublich! Die Förderung im Rahmen von digital.engagiert – sowohl finanziell als auch durch das Coaching, Workshops und den Hackathon – war ein tolles Sprungbrett“, fasst Jana zusammen.

Schule ein Gesicht geben

Mitdenken, mitreden, mitgestalten: Schüler*innenvertretungen gibt es schon viele Jahre. Denn Demokratie muss im Kleinen anfangen, um im Großen verstanden und gelebt zu werden. Daran glaubt die Initiative Schule ein Gesicht geben e.V. Aber können Schüler*innenvertretungen etwas bewegen? Lohnt sich das Engagement im deutschen Schulsystem überhaupt? Ihre Antwort ist: Ja, wenn die Arbeit von Schüler*innenvertretungen Mitwirkung möglich macht, Schüler*innen-Stimmen in die Gestaltung des Schulalltags einfließen und Veränderungen sichtbar werden.

Schule ein Gesicht geben e.V., eins von zwölf digital.engagiert-Teams der aktuellen Förderrunde, unterstützt die Arbeit von Schüler*innenvertretungen mit Wissen und Beratung in Form von Fortbildungen, Netzwerkmöglichkeiten und einer App als Wissensplattform.

 

Schüler*innen eine Stimme geben

„In meiner Schulzeit habe ich mich selbst als Schülervertreter engagiert. Von da an lief es viel entspannter im Schulalltag: Ich hatte Spaß, habe Leute getroffen, mir ein großes Netzwerk aufgebaut,“ erzählt Jonas Schmidt, Gründer des Vereins. Jonas‘ Schilderung zeigt: Schüler*innenvertretungsarbeit verbindet, weil man für eine gemeinsame Sache kämpft. Aber nicht nur das: „Selbstwirksamkeit im eigenen Alltag zu erfahren, prägt sehr stark. Diese Erfahrung möchte ich Schüler*innen mit meinem Engagement auch ermöglichen,“ ergänzt Tanja Hoss, Referentin für politische Bildung im Verein.

Die Idee für Schule ein Gesicht geben entstand aus einem großen Bedarf heraus: Schüler*innen wissen oft nicht, wie sie ihre Rechte einfordern können. Laut Schulgesetz ist das Heranführen an demokratische Abläufe Aufgabe der Schulen. In der Realität sieht das nicht selten anders aus – und genau hier knüpft die Arbeit von Schule ein Gesicht geben an. Schule soll ein Ort der Mitgestaltung und der Gemeinschaft sein – kein anonymer Ort zum Lernen. Wichtig ist, dass Schüler*innen sich in ihrem Schulalltag wiederfinden und damit identifizieren können.  Für Jonas ist klar: „Es gibt Schulgesetze. Diese sollen den Jugendlichen zugutekommen.“ Aus diesem Grund hilft das Team – eine Gruppe von ehemaligen Schülervertreter*innen, Dozent*innen aus der politischen Bildung und weiteren Ehrenamtlichen– den jungen Engagierten dabei, die Arbeit von Schüler*innenvertretungen (SV-Arbeit) zielführend und nachhaltig zu gestalten, sodass Schüler*innen mitreden und von ihren Rechten Gebrauch machen können.

 

Demokratie im Schulalltag: analog und digital

In den Fortbildungen gibt das Team Input zu den Hintergründen der SV-Arbeit und Tipps zu effektiven Arbeitsweisen.   Gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickelt es Pläne für die eigene Schüler*innenvertretung. Kommen Schüler*innen bei Konflikten nicht zu ihrem Recht, können sie bei der Beratungsstelle des Teams Unterstützung anfragen. Das A und O ist der Austausch im Netzwerk. Dieser findet in Regionalgruppen statt: SV-Aktive, die sich zusammentun, um Wissen und Erfahrungen zu teilen. Eine App soll diese Inhalte auch digital zugänglich machen.

Die Web-App „Mein SV-Wissen“ ist eine Sammlung von relevanten Informationen und Materialien für den SV-Alltag sowie Beispiel-Projekten und Lösungen, die andere Schüler*innenvertretungen für ihre Probleme gefunden haben – jugendgerecht, praxisorientiert und interaktiv. Für Interaktion und die spielerische Auseinandersetzung mit der Thematik sorgen Videos, Prezis, Checklisten, Grafiken und Quizzes. Aufgegriffen werden alle Themenfelder rund um die SV-Arbeit: Was ist SV-Arbeit? Welche Rechte haben wir? Wen können wir ansprechen, wenn wir Unterstützung brauchen? Mithilfe von Feedback werden die Themen regelmäßig aktualisiert. Das Besondere: Ein solches Angebot gibt es bisher nicht. „Es wurde immer wieder nach einer App gefragt – letztlich haben wir die Umsetzung einfach gewagt,“ erklärt Tanja.

 

Wachstum? Ja – aber koordiniert

Was das Team aktuell bewegt: das Wachstum ihres Vereins. „Unser Angebot wird immer gefragter und es wollen sich uns immer mehr Menschen anschließen. Das ist toll, allerdings müssen wir unsere internen Strukturen noch an das stetige Wachstum anpassen,“ schildert Jonas. Gleichzeitig braucht das Team bei der Vielfalt seiner Aufgaben Unterstützung. Neuzugänge sind deshalb herzlich willkommen: kontakt@schuleeingesichtgeben.de. Die Herausforderung liegt darin, das schnelle Wachstum zu koordinieren. „Wir haben einige Herausforderungen, aber wir sind drauf und dran, Lösungen für diese zu finden und umzusetzen,“ sagt Tanja.

Das Team von Schule ein Gesicht geben hat schon einige Meilensteine erreicht. Vor allem die Wochen um den digital.engagiert-Hackathon waren aufregend: Entwürfe für die App erstellen und finalisieren, eine*n Programmierer*in finden – der erste Prototyp war direkt ein voller Erfolg für das Team. Genauso wie die Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung hatte das Team die Kapazitäten, intensiv an der Weiterentwicklung seiner Inhalte zu arbeiten. Die Arbeit lohnt sich: „Wir sehen jeden Tag so viele inspirierende Projekte von Schüler*innenvertretungen. Ob ein eigenes Gremium zur Mitwirkung bei Disziplinarverfahren, Schul-Demos gegen Rassismus oder ein LGBTIQ+-Café. All diese Projekte zeigen, was SV-Arbeit bewegen kann,“ erzählt Tanja.

 

digital.engagiert brachte einen Stein ins Rollen

Das größte Projekt des Teams während des Förderzeitraums von digital.engagiert ist die Digitalisierung der Bildungsarbeit: die Web-App. „Ohne die Initiative wäre die App dieses Jahr nicht möglich gewesen. Das hätten wir nicht geschafft. digital.engagiert hat einen Stein ins Rollen gebracht,“ berichtet Jonas. Vor allem die Coachings und der Austausch mit den Expert*innen von Amazon, Amazon Web Services und Stifterverband haben Schule ein Gesicht geben rund um die Themen Fundraising, Pitching und Social Impact sehr geholfen. Mit der Entwicklung der App hat das Team einen großen Schritt nach vorne gemacht. Parallel zur Finalisierung der App und der Aufbereitung von Inhalten und Tutorials für diese hat Schule ein Gesicht geben einen Instagram-Kanal eingeführt, baut die Zielgruppenansprache auf diesem aus und experimentiert weiterhin bei den Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Regionalgruppen. Die deutschlandweite Ausbreitung des Angebots nimmt ebenso einen Platz auf der To-do-Liste des Teams ein – so sollen Schüler*innenvertretungen aus allen Bundesländern relevante Informationen digital wie analog nutzen können.

 

Rapper*innen ohne Grenzen: Wenn das Klassenzimmer zum Konzertsaal wird

„Deutsch lernen ist hartes Brot,

doch ich gebe meinen Senf dazu.

Wir werden keine kleinen Brötchen backen,

wir werden Spaß haben, dabei fröhlich lachen.

Pass‘ auf, ich hab‘ dir was zu zeigen:

Man kann Deutsch lernen mit krassen Reimen!“

 

Fehlen nur noch der Beat und die Stimme und fertig ist der Rap-Song. Aber worum geht es hier? Mit Rap-Musik Deutsch lernen, kulturelle Besonderheiten entdecken und Teil der Gesellschaft werden – das alles gibt es in den Workshops und dem digitalen Bildungsangebot von Rapper*innen ohne Grenzen, einem Team von digital.engagiert. Indem die Berliner Initiative jungen Geflüchteten über Rap-Musik Sprache und Kultur vermittelt, stellt es Weichen für die Überwindung von persönlichen und sozialen Grenzen.

 

Mach Sprache zu deinem Wohnzimmer

„Mein Vater kommt aus Ghana und Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Deshalb habe ich früh gemerkt, welchen Unterschied es macht, ob du dich in einer Sprache zuhause fühlst,“ erzählt Kofi Darkwa, der Rapper*innen ohne Grenzen Ende 2018 ins Leben gerufen hat. Indem er als Jugendlicher Rap-Texte geschrieben und übersetzt hat, hat er Sprachen gelernt. Was ihn motivierte, soll auch Geflüchteten dabei helfen: Deutsch lernen, Kontakte knüpfen und Zugang zu Bildung oder dem Arbeitsmarkt finden. „Es gibt viele Geflüchtete in Deutschland. Es ist oft nicht ihre eigene Entscheidung, Deutsch zu lernen. Viele haben deshalb auch wenig Spaß daran,“ schildert Kofi die Problematik. Seine Lösung: Er gibt Workshops für Geflüchtete im Alter von zwölf bis 25 Jahren – in Willkommensklassen, an Schulen und in Unterkünften für Geflüchtete. Sie lernen Deutsch – Grammatik, Vokabeln und Redewendungen – anhand von selbstgeschriebenen Rap-Texten.

„Viele junge Menschen haben Spaß an Musik. Wieso also nicht den Spracherwerb damit verbinden,“ ergänzt Paul Volkmer, Grafiker und Kameramann im Team. Unbegründet ist das nicht: Musik und die Kreativität beim Texten stützen die Erinnerung. Gleichzeitig wird Sprache durch Musik und die Geschichten, die damit erzählt werden, zum Instrument, mit dem man experimentieren und Spaß haben kann. Hinter dem Projekt steckt aber mehr: Neben dem Spracherwerb geht es um Empowerment. Junge Geflüchtete gewinnen an Selbstbewusstsein, wenn sie einen Text auf einer Sprache rappen, die nicht ihre Muttersprache ist. Die gewonnene Sprachkompetenz verbunden mit dem gestärkten Selbstbewusstsein beeinflusst, ob sich die Jugendlichen in der neuen Sprache zuhause fühlen.

 

Der Schritt in das virtuelle Rap-Studio

Vor der Corona-Pandemie fanden die Workshops analog statt. Laute Musik, rappende Menschen und eine lockere Atmosphäre sorgten bei den Jugendlichen für Begeisterung und weckten ihr Interesse für die Sprache. Typischerweise gibt es zu Beginn jedes Workshops einen Input: Die Workshop-Songs werden vorgerappt, Texte gemeinsam durchgegangen und Unklarheiten geklärt. In der zweiten Workshop-Hälfte werden die Teilnehmenden selbst kreativ. Basierend auf den frisch gelernten Vokabeln oder Grammatikregeln werden Songtexte geschrieben, gemeinsam gerappt und verinnerlicht. Außerdem hat das Team ein Konzept für Patenschaften erarbeitet: Gemeinsam mit Rapper*innen be- und erarbeiten Kinder und Jugendliche Texte – das Ganze one-on-one.

Als Präsenz-Workshops nicht mehr möglich waren, zogen Kofi und sein Rapper*innen-Team in die digitale Welt um. Seither finden Workshops online statt und zusätzlich gibt es ein digitales Bildungsangebot in Form von kostenlosen Videos auf der Website. Für die Digitalisierung des analogen Konzepts hat das Team viel ausprobiert und Feedback von den Workshop-Teilnehmer*innen eingeholt. Denn klar war, der Spaßfaktor muss erhalten bleiben. „An digitale Live-Events haben wir uns nur zögerlich herangetraut – haben aber schnell festgestellt, wie cool digitale Formate sind. Es ist schön zu sehen, dass man Menschen trotz der Distanz erreichen kann,“ berichtet Paul.

 

Hürden mit effizienten Lösungen und Mut überwinden

Durch den Fokus auf das Digitale sah sich das Team mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Ist die technische Ausstattung – Rechner, stabiles Internet, Headset – bei den Lernenden vorhanden? Können die Lernenden ein digitales Angebot überhaupt wahrnehmen? Ihr Video-Angebot auf der Website bietet eine Zwischenlösung. Wer an einem Live-Workshop nicht teilnehmen kann, hat die Möglichkeit Videos auf dem Smartphone anzuschauen. Eine weitere Hürde, die es nicht erst mit der Digitalisierung der Workshops zu überwinden gilt, ist die Unsicherheit vieler Geflüchteter. „Nicht jede*r ist auf Anhieb davon überzeugt, dass sie oder er rappen kann. Unsere Aufgabe ist es, die Kids dazu zu motivieren, an sich selbst zu glauben und es zu versuchen,“ erklärt Paul. Die Erfahrung zeigt: Mut hat sich bisher immer bezahlt gemacht.

 

Rückwärts arbeiten, um vorwärtszukommen

Nicht nur Herausforderungen haben das Team auf seinem Weg begleitet. Die Rapper*innen ohne Grenzen haben auch tolle Meilensteine erlebt: die Vereinsgründung wurde eingeleitet und der Ausbau der Online-Präsenz sowie die Einführung des digitalen Bildungsangebots waren erfolgreich. Auch die digital.engagiert-Reise hat viel Dynamik in das Projekt gebracht. „Durch die Initiative ist unsere Website am Start. In diesem Umfang hätten wir das allein so schnell nie realisieren können,“ erzählt Kofi. Besonders hilfreich war für ihn der Working Backwards-Workshop mit Amazon, AWS und Stifterverband. „Die unterschiedlichen Perspektiven der Coach*innen, der Expert*innen und der anderen Teams auf die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse waren spannend. Ich fand es cool, einen Schritt zurückzugehen,“ berichtet er. Die Erkenntnis und damit das nächste selbstgesteckte Ziel: den Mehrwert, den Online-Content bietet, weiter ausschöpfen. Für das Team bedeutet das, mehr Lern-Videos zu produzieren, sodass die Zielgruppe unabhängig von Ort und Zeit auf das Angebot zurückgreifen kann. Kofi und Paul denken groß für die Zukunft: Das Online-Angebot soll auf Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch ausgeweitet werden.

Politik einfach gemacht – Lass nicht andere für Dich entscheiden

Die Bundestagswahl steht vor der Tür: Wen wirst du am 26. September wählen? Viele junge Menschen – und ganz besonders diejenigen, die ihre Stimme zum ersten Mal abgeben dürfen – wissen das nicht. Sie fühlen sich schlecht informiert. Der trockene Politik-Unterricht steht einer lauten, polarisierenden Debatte in den klassischen und sozialen Medien gegenüber. Und mittendrin: junge Menschen, die selbst über ihre Zukunft entscheiden möchten. Wo fängst du an, wenn du von deinem Recht, dich aktiv an Politik zu beteiligen, Gebrauch machen willst?

Das digital.engagiert-Team Vote Rookie hilft jungen Menschen mithilfe einer überparteilichen Online-Plattform dabei, Politik zu verstehen und daran teilzuhaben.

Vielfältige Geschichten und Hintergründe in der Politik

Wie können sich Jugendliche auf einfachem Wege zu politischen Themen informieren und dieses Wissen in aktive Beteiligung umwandeln? Susanna Maiers Antwort auf diese Frage: mithilfe einer digitalen Plattform inklusive App und zielgruppengerechtem politischen Bildungsangebot. Diese Idee hat die in Deutschland lebende Österreicherin 2020 im Rahmen des Berliner Start-up Stipendiums in die Tat umgesetzt und Vote Rookie gegründet. „Ich habe erkannt, dass das politische Bildungssystem und der Zugang zu Beteiligung ein Update brauchen. Deshalb engagiere ich mich politisch,“ erklärt Susanna. Ihre Idee fand schnell Unterstützer*innen. Darunter auch Jess Davis. Die gebürtige Engländerin kam vor zehn Jahren nach Deutschland: „Für meinen Einbürgerungstest musste ich mich mit vielen politischen Themen auseinandersetzen. Dabei habe ich festgestellt, wie schwierig es ist, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Institutionen und Akteuren zu verstehen.“

Was die beiden antreibt: Ihre Vision, junge Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Jüngere brauchen eine Anlaufstelle, über die sie einfach an verständliche Informationen gelangen und die ihnen konkrete Beteiligungsmöglichkeiten aufzeigt. Aber nicht nur das: Vote Rookie nimmt eine Veränderung in den politischen Interessen wahr: „Die junge Generation ist und denkt interkulturell, betrachtet politische Themen aus unterschiedlichen, neuen Blickwinkeln und findet daher schwer Zugang zur Politik. Denn ihren Perspektiven schenken die Älteren, die in der Politik noch immer stärker vertreten sind, zu wenig Aufmerksamkeit. Die Motivation, sich zu beteiligen, bleibt daher bei vielen jungen Menschen auf der Strecke,“ ergänzt Susanna. Diese „junge“, interkulturelle Perspektive auf politisches Engagement greift Vote Rookie mit der Online-Plattform auf: „Bei uns zählt jede Stimme. Jede*r Interessent*in ist hier willkommen. Jung, mit oder ohne Migrationshintergrund, unabhängig der Hautfarbe.“

Spielerisch Demokratie lernen

Die Vote Rookie-Demokratieplattform unterstützt junge Menschen dabei, ihr politisches Wissen auszubauen und einzubringen. Ein zentraler Baustein ist eine App zur Bürgerbeteiligung. Die App basiert auf einem Gamification-Ansatz. Für politisches Engagement, etwa das Einreichen einer Petition, erhält man Punkte. Ab einem bestimmten Punktestand können Mitglieder Punkte gegen Goodies eintauschen: entweder für einen guten Zweck, z.B. für ein Waldaufforstungsprojekt, oder für sich selbst in Form von Notizheften, Stickern, Büchern oder sogar Rabatten bei Kooperationspartnern. Außerdem ermöglicht es die App den Nutzer*innen, Kampagnen und Bürgerinitiativen zu starten oder zu unterstützen und direkt mit Politiker*innen und gewählten Vertreter*innen in Kontakt zu treten. Ziel ist ein möglichst langfristiges Engagement der Teilnehmenden.

Das politische Bildungsangebot setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Workshops, einer digitalen Wissensplattform und einem Botschafter*innenprogramm. Die Workshop-Konzepte basieren auf einem Set an innovativen Methoden, die Teilnehmende dazu anregen sollen, eigene Ideen zu entwickeln und einzubringen. Bei Vote Rookie treffen Demokratiebotschafter*innen auf junge Menschen. „Ziel ist es, mit so vielen Menschen wie möglich in den Austausch zu treten und interessante Einblicke zu gewinnen – und das natürlich interkulturell,“ schildert Jess.

Skandale zerstören Politik-Begeisterung

Einer großen Herausforderung begegnet das Vote Rookie-Team immer wieder: „Es ist schwierig, ein Produkt anzubieten, das zur politischen Teilhabe motiviert. Selbst wenn das Ganze Spaß macht und begeistert, gibt es immer wieder Skandale oder Fake News, die die Politik nicht attraktiver machen,“ gibt Susanna zu bedenken. Trotzdem ist bei Vote Rookie vieles in Bewegung: Die Community wächst, motivierte Botschafter*innen gehen aktiv auf Susanna und Jess zu und für das politische Bildungsangebot wurde der Verein „Rookies for Democracy e.V.“ gegründet.

Auch im Rahmen von digital.engagiert hat das Team einiges in Angriff genommen. „Wir sind gerade dabei, unsere App zu programmieren. Die technische Unterstützung, die uns durch digital.engagiert zur Verfügung steht, ist einzigartig. Aber nicht nur das. Auch der frische Blick der Expert*innen von Amazon, dem Stifterverband und Amazon Web Services hat uns in vielen Situationen weitergeholfen,“ erzählt Susanna.

Wahltag: Jede Stimme zählt

Die Vorbereitungen auf die Bundestagswahl im September laufen bei Vote Rookie bereits auf Hochtouren. Bis dahin wird es eine Handvoll Aktionen geben, die den Jugendlichen bei der Entscheidungsfindung helfen sollen. In einem Wahl-Heft und in einer kleinen Wahl-Ecke in der App werden alle Informationen rund um die Parteien, die Kandidat*innen und die Wahlprogramme bereitgestellt. Außerdem wird es verschiedene Challenges geben, u.a. zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.

In der deutschen Politik wie auch bei Vote Rookie ist viel los. Vielversprechende Aussichten für das junge Start-up!

Aktiv gegen Antisemitismus – Aus analog mach‘ digital

Antisemitismus ist noch immer ein Problem in Deutschland. Das lässt sich beispielsweise nicht nur an Hassrede in Social Media spüren, sondern auch in Zahlen belegen: Antisemitische Vorfälle haben deutlich zugenommen. 1.909 Fälle hat der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) 2020 erfasst. 450 mehr als im Vorjahr. Antisemitismus wird lauter, die Bemühungen dagegen dürfen aber nicht leiser werden. Das Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen-Anhalt e.V. (NDC) setzt sich für Demokratie und gegen menschenverachtende Einstellungen ein.

Als eins von 12 digital.engagiert-Teams klärt das Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen-Anhalt e.V. junge Menschen an digitalen Projekttagen auf und zeigt ihnen, wie sie gegen die verschiedenen Ausprägungen von Antisemitismus vorgehen.

 

Wissen, Partizipation und kritischer Austausch

„Die sozialen Medien, die Pandemie und das Verschwörungsdenken sind ein Einfallstor für Antisemitismus, sie befeuern ihn. Ich möchte etwas gegen menschenverachtende Denkweisen und Gewalttaten gegenüber Jüdinnen, Juden sowie jüdischen Einrichtungen tun. Meine Motivation ist, Antisemitismus anzugehen,“ berichtet Doreen. Sie ist hauptberuflich für das NDC Sachsen-Anhalt tätig und Kopf des digital.engagiert-Projektteams. Gemeinsam mit zwei Kolleg*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen veranstaltet sie Projekttage zum Thema Antisemitismus für Schüler*innen ab 15 Jahren. Denn: Die politische Bildungsarbeit an Schulen, in Jugendeinrichtungen und Kulturzentren ist grundlegend, um Demokratie und Menschenrechte zu stärken.

Ehrenamtliche zwischen 18 und 30 Jahren, die sich zivilgesellschaftlich engagieren möchten und vom NDC vorab zu Multiplikator*innen ausgebildet wurden, leiten die Veranstaltungen. Gemeinsam mit den Jugendlichen beschäftigen sie sich mit Themen rund um Antisemitismus: Was ist das? Woran erkenne ich Antisemitismus im Alltag? Die Sensibilisierung für das Thema soll präventiv wirken und zur weiteren Auseinandersetzung motivieren. Die jungen Menschen erwerben nicht nur Wissen, sondern auch Handlungskompetenz: Was kann ich tun? Wie handle ich bei einer Konfrontation? Das NDC ermutigt Jugendliche dazu, couragiert im Alltag zu handeln. Der partizipative Charakter der Projekttage, das Erschließen von Inhalten auf eigenen Wegen und das kritische Reflektieren, aber auch der Austausch auf Augenhöhe zwischen Schüler*innen und Ehrenamtlichen ermöglichen es den Teilnehmenden, sich intensiv und in einem geschützten Raum mit den Themen zu beschäftigen – bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie in Form von Präsenzveranstaltungen.

 

Projekttage in digital

„Zwar ist der Umstieg auf digitale Projekttage in Anbetracht der gegenwärtigen Situation ein Muss, jedoch ergeben sich daraus gleichzeitig vielfältige Möglichkeiten für uns,“ erklärt Doreen. Das Team versteht die digitalen Projekttage als Chance, sich breiter aufzustellen – thematisch, methodisch und personell. Außerdem nimmt die Reichweite einer Veranstaltung damit stark zu, denn jede*r kann bequem vom heimischen Sofa aus teilnehmen. Das überzeugt auch Schulen und Jugendclubs, teilzunehmen. Was aber noch viel wichtiger ist: Bisher gibt es nur wenige digitale partizipative Bildungsangebote zum Thema Antisemitismus. Das Programm des NDC füllt eine Lücke.

 

digital.engagiert als Initialzündung

„Für unsere digitale Neukonzeption kam die digital.engagiert-Ausschreibung sehr gelegen,“ erzählt Doreen. Seit Beginn des Förderzeitraums hat das Team ein Konzept für ein digitales Eventformat erarbeitet. Mittlerweile steht das Konzept. Schwerpunkt ist das Thema jüdischer Widerstand. In mehreren thematischen Blöcken wird darüber gesprochen, was Antisemitismus ist, welche Funktions- und Wirkungsweisen dahinterstecken und wie man konkret dagegen vorgehen kann. Das Ganze in Form von Begriffserklärungen, Quizze, offenem Austausch sowie der Vermittlung von Handlungskompetenz. Außerdem arbeiten die Jugendlichen die Inhalte mithilfe der Analyse von Biografien historisch auf und lassen jüdische Zeitzeug*innen so zu Wort kommen. Um den Transfer der Inhalte und der Methoden von analog zu digital zu meistern, haben die freiwilligen Helfer*innen während der Erarbeitung des Konzepts diverse Tools erprobt. „Ohne die Förderinitiative hätten wir einen digitalen Projekttag nicht realisieren können. Wir hätten damit gar nicht begonnen. digital.engagiert war unsere Initialzündung,“ berichtet Doreen.

 

Jugendliche stärker ansprechen

Als nächstes stehen die Zielgruppenansprache und das Bewerben des neuen digitalen Angebots an. Einen Draht zu jungen Erwachsenen haben sie bereits. Viele von ihnen gehen gezielt auf das NDC zu und möchten sich mit Antisemitismus auseinandersetzen. Bei Jugendlichen und Schüler*innen versuchen sie, mehr Gehör zu finden. Helfen soll dabei eine neue Social Media-Strategie. An dieser wurde vor allem während des digital.engagiert-Hackathons gearbeitet. Über Instagram und Facebook versuchen sie die jungen Menschen zielgruppengerecht anzusprechen und Interesse zu wecken. „Der Hackathon war ein riesiges Ding für uns. Bei so einem Event haben wir noch nie teilgenommen, aber es war eine super Erfahrung,“ blickt Doreen zurück. „Die Initiative ist eine tolle Gelegenheit, neue Perspektiven auf das eigene Projekt zu gewinnen. Das Wissen und die Erfahrungen der Coach*innen und der Expert*innen des Stifterverbands, von Amazon und von Amazon Web Services machen einen großen Unterschied.“

naklar.io: Kostenlose Nachhilfe per Knopfdruck

Dreisatz, Zeichensetzung, Zellteilung – wer erklärt das, wenn die Eltern arbeiten, der Unterricht ausfällt und die beste Freundin auch nicht weiter weiß? In vielen Fällen bleiben die Fragen unbeantwortet, die Kinder sind frustriert und die Lernbereitschaft sinkt. Der Förderbedarf steigt – insbesondere bei Schüler*innen aus benachteiligten Haushalten. Sie verlieren den Anschluss. Für mehr Chancengerechtigkeit sorgt die Nachhilfe-Plattform naklar.io. Sie bietet Schüler*innen einen einfachen Zugang zu kostenloser Nachhilfe.

naklar.io ist eins von zwölf Teams, die in diesem Jahr bei digital.engagiert dabei sind.

 

Brücke zwischen Schüler*innen und Tutor*innen

Ob Lieblingsfach in der Schule, Studium oder persönliche Interessen – wir alle wissen eine ganze Menge. Dieses Wissen vom eigenen Sofa aus mit Schüler*innen zu teilen, ermöglicht die naklar.io-Plattform. Brauchen Lernende Hilfe, vernetzt die Plattform sie einfach, schnell, kostenlos und auf Knopfdruck mit geprüften ehrenamtlichen Tutor*innen. Das automatisierte Matching berücksichtigt dabei Schulfach, Bundesland und Klassenstufe. Ist ein*e Tutor*in gefunden, werden beide in ein Big Blue Button-Meeting weitergeleitet und die Lernsession kann beginnen – ganz ohne den Austausch von Handynummern, E-Mail-Adressen, Einwahldaten oder Downloads.

„Am Anfang haben wir das Projekt eher aus Spaß gemacht, aber dann haben wir gemerkt, dass sich die Leute wirklich dafür interessieren,“ berichtet der BWL-Student Sebastian Scott, der mit seiner Idee für die Plattform zu Beginn der Corona-Pandemie auf seinen langjährigen Schulfreund Korbinian Stein zuging und in ihm einen Unterstützer fand. Nicht nur er sieht Potenzial in der Anwendung: Nur wenige Tage nach erstmaliger Präsentation der Idee auf dem bundesweiten #WirvsVirus-Hackathon erreichte das naklar.io-Team eine Vielzahl an Rückmeldungen von Ehrenamtlichen.

„Jede*r kann Tutor*in sein und helfen, Studierende, Lehrer*innen, einfach alle, die sich ehrenamtlich engagieren und Schüler*innen unterstützen möchten. Und das ist gerade das Tolle! In vielen Bereichen geht es vor allem darum, dass jemand da ist, der helfen kann – selbst wenn der- oder diejenige kein Spezialist in dem Fach ist,“ erklärt Korbinian, der die Plattformentwicklung als IT-Experte vorantreibt. Ein weiterer Pluspunkt: Ehrenamtliche können flexibel und ungebunden helfen. „Ich habe früher selbst viel Nachhilfe gegeben, irgendwann fehlte mir allerdings die Zeit. Das Spannende an naklar.io ist, dass wir einen Kanal gefunden haben, über den sich die Zeit von Nachhilfelehrer*innen exponentiell vervielfachen lässt,“ ergänzt Sebastian. Über 8.000 Schüler*innen und Tutor*innen nutzen die Plattform bereits aktiv.

 

Viel los bei naklar.io

Im Fokus des Teams aus dem Münchner und Augsburger Umland steht aktuell die Weiterentwicklung der Nutzer*innenoberfläche und der Kernfunktionen der Plattform. Besonders wichtig ist dem jungen Team, dass ihre Plattform an Persönlichkeit gewinnt. Daher tüfteln die Entwickler an einer Funktion, die es ermöglicht, sich erneut mit Helfer*innen zu verknüpfen und bei Bedarf einen festen Tutor*innen-Kreis aufzubauen. Außerdem soll das Angebot um eine App ergänzt werden. Dieses Projekt nahm das Team während des digital.engagiert Hackathons in Angriff. „Die App-Idee gibt es schon lange. Der digital.engagiert-Spirit und die vielen neuen Perspektiven haben uns dazu motiviert, in die Umsetzung zu gehen.“ schildert Korbinian. „Vor dem Hackathon glich die App einem Berg, den wir als kleines Team nicht erklimmen können. Mittlerweile ist sie in erreichbarer Nähe.“

Neben der Plattform arbeitet naklar.io seit Anfang des Jahres mit lokalen Bildungsträgern und Ministerien zusammen. Das Team befähigt diese zum Einsatz der Nachhilfe-Software als lokale Anlaufstelle für digitales Tutoring. So wurde beispielsweise die Emden-Plattform ins Leben gerufen: eine Nachhilfe-Plattform nur für Schüler*innen und Ehrenamtliche aus Emden, die auf der naklar.io-Software basiert.

Die Herausforderung liegt in der richtigen Balance zwischen der Anzahl der Hilfesuchenden und der Anzahl der Helfenden. Insbesondere die Nachhilfesuchenden gilt es, gezielt mit Kommunikationsmaßnahmen anzusprechen und für die Nutzung zu begeistern. Da Medien wie TikTok hierbei gut funktionieren, hat das Team die Zeit während des Lockdowns dafür genutzt, zahlreiche Videos zu produzieren – auf einfache und coole Art und Weise: „Wir haben versucht, das Ganze so zugänglich wie möglich zu machen und haben dadurch sehr viele Schüler*innen erreicht. Dabei ist es uns wichtig, intrinsische Motivation zu wecken. Schulkinder sollen die Plattform von sich aus nutzen, nicht weil es Eltern oder Lehrer*innen vorgeben,“ erzählt Sebastian.

 

Motiviert? naklar.io

Nutzer*innen, Helfer*innen, aber auch Bildungseinrichtungen und Ministerien sind begeistert. Das bestärkt das Team in seiner Arbeit. Gewürdigt wurden die Anstrengungen des Teams auch bei dem #wirfürschule-Hackathon – hier durfte es sich am Ende Gewinner nennen. Der Sieg hat naklar.io die Tür zu vielen Projekten mit Ministerien geöffnet und zu viel Reichweite in der Bildungslandschaft verholfen. Die Hackathon-Erfolge, aber auch einzelne persönliche Geschichten sprechen für sich: So hat beispielsweise ein Schüler dank naklar.io eine wichtige Aufnahmeprüfung bestanden. „Was man zurückbekommt, ist toll. Dadurch, dass wir viele inspirierende Erfolgsgeschichten erleben durften, fällt es leicht, Zeit in die Weiterentwicklung der naklar.io-Plattform zu investieren,“ sagt Korbinian und freut sich auf die zweite Hälfte des digital.engagiert-Förderzeitraums.

Nur Mut: Mach dein Ding!

Abschluss in der Tasche, aber keinen Zukunftsplan vor Augen. Nicht wenigen Schüler*innen geht es nach ihrem Schulabschluss so. Viele Jugendliche sind bei ihrer Zukunftsplanung hilflos und im Nachhinein oftmals unzufrieden mit ihren getroffenen Entscheidungen. Die Suche nach den persönlichen Interessen und das Hadern mit dem eigenen Können mündet meist in dem Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. Neben Angst und Unsicherheit macht sich Frustration breit. Gleichzeitig steigt der Druck, denn eine große Frage steht kontinuierlich im Raum: Welchen Weg schlägst du ein?

Mein Mutiger Weg‘ hilft jungen Menschen dabei, Antworten auf diese Frage zu finden.

 

Mutige Sprünge statt Umwege

Die erste Sinnkrise erleben viele schon direkt nach der Schulzeit: Sie stecken in der Quarter Life Crisis. Aber warum ist das so? Für das Karlsruher Start-up und digital.engagiert-Team ‚Mein Mutiger Weg‘ ist das offensichtlich: Jugendliche sind nicht ausreichend auf die Zukunftsplanung vorbereitet. Es fehlt Wissen, aber noch viel wichtiger: Es fehlen der Mut, die Schritte nach der Schule eigenständig anzugehen, und das Verständnis von Anderen für mutige Entscheidungen. Auf die Bedürfnisse von Schüler*innen einzugehen, das hat sich ‚Mein Mutiger Weg‘ zur Aufgabe gemacht. „Es geht vielen jungen Menschen gleich. Die Zeit nach der Schule ist häufig von Umwegen, Frustration und vom Unglücklichsein geprägt. Wir wollen aus unseren eigenen Geschichten etwas zurückgeben und dazu beitragen, dass junge Menschen das Thema besser und früher planen“, erklärt Frederic Keller, der das Unternehmen 2018 gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Pascal und seinem Freund Alwin Pianka gegründet hat. Seine eigenen Erfahrungen haben ihm gezeigt, dass der Handlungsbedarf in der Berufsorientierung für junge Menschen groß ist: „Was ich gemacht habe, war nie mein mutiger Weg, sondern irgendein Weg.“

Die Vision des Teams ist es, Schüler*innen auf die großen Fragen und Entscheidungen auf dem Weg in die Zukunft vorzubereiten und dazu zu ermutigen, die für sie richtige Reise zu wählen. Dazu wird ihnen Raum zur Auseinandersetzung mit den verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem aber auch mit der eigenen Person gegeben. „Wenn man Zeit investiert und darüber nachdenkt, was zur eigenen Persönlichkeit passt, kann man seine eigene mutige Entscheidung für die Zukunft treffen,“ erzählt Linda Klotzbach, Designerin im Produktentwicklungsteam.

 

Informiert und selbstbewusst

‚Mein Mutiger Weg‘ bietet Seminare an Schulen, die digitale Plattform “Traumjob Campus” und ein kombiniertes Begleitprogramm an. In den Seminaren teilen die Mutmacher*innen ihre persönlichen Werdegänge mit den Schüler*innen. Fehltritte, Unsicherheiten und Geschichten vom Scheitern werden dabei nicht ausgelassen. „Jede*r von uns hat eine Geschichte und jede*r verbindet damit eine Emotion. Genau dort setzen wir an“, berichtet Linda. Offenheit, Authentizität und Austausch auf Augenhöhe in der Sprache der Jugendlichen berühren, inspirieren und machen Inhalte greifbar. Anstelle eines Handschlags sprechen die Mutmacher*innen die Jugendlichen persönlich an und schaffen einen Rahmen, in dem Schüler*innen losgelöst von Schulstress und Notendruck entspannt an ihrer Zukunft arbeiten können. In der Arbeitsphase werden Übungen zur Aktivierung, zur Identifikation der eigenen Stärken und zum Reflektieren durchgeführt. „Wir wollen die richtigen Fragen stellen, die die Jugendlichen für sich beantworten und so ihre Zukunft mutig zu planen,“ ergänzt Frederic. Dabei steht das Gemeinschaftsgefühl bewusst im Vordergrund, denn die jungen Menschen sollen wissen, dass sie mit ihren Fragen und Problemen nicht allein sind.

Eine digitale Lösung musste her, als die Corona-Pandemie ausbrach und Präsenz-Veranstaltungen ausfielen. Die virtuelle Austausch- und Inspirationsplattform “Traumjob Campus” wurde ins Leben gerufen. Sie bietet Jugendlichen eine Möglichkeit auf alles, was sie zum Thema Berufsorientierung wissen müssen, von Zuhause zuzugreifen. Von Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung über Lernvideos und Arbeitsblätter bis zum Live-Berufs-Coaching und Mentor*innen-Matching. Um eine nachhaltigere Wirkung bei den Schüler*innen zu erzeugen, soll die Plattform zukünftig Präsenzveranstaltungen ergänzen. Insgesamt arbeiten die Mutmacher*innen aktuell mit knapp 100 Schulen zusammen und haben mit Seminar und Traumjob Campus bereits 11.000 jungen Menschen Mut für die Zukunft gemacht – die durchweg positive Resonanz hat ihre Erwartungen bei Weitem übertroffen.

 

Erlebnis in den virtuellen Raum tragen

Im Rahmen von digital.engagiert arbeitet das Team verstärkt an der Weiterentwicklung des virtuellen “Traumjob Campus”. Mit einem zielgruppengerechten Design,  einer neuen inhaltlichen Ebene und weiteren Edutainment- und Gamification-Elementen wie Avataren und Benefit-Programmen soll der Online-Campus zukünftig noch praxisnäher und zukunftsweisender werden. Die größte Herausforderung ist dabei die Übertragung des Erlebnisfaktors, der Emotion und der Motivation ins Digitale.

„Durch die Impulse, die digital.engagiert uns geliefert hat, denken wir den Campus ganz neu. Die Bedürfnisse der Nutzer*innen mithilfe von Working Backwards noch einmal zu durchdenken, hat uns viel Klarheit verschafft,“ berichtet Frederic nach der ersten Hälfte des Förderzeitraums. Künftig feilt das Team weiter an dem Design der digitalen Plattform und dem Konzept für das Begleitprogramm: Wie wird der Campus abseits von schulischen Pflichtveranstaltungen für Schüler*innen attraktiv? Wie ergänzen sich Seminar und Austauschplattform am besten?

Eine Vielzahl an Meilensteinen hat ‚Mein Mutiger Weg‘ bereits erreicht: Insbesondere die Zertifizierung als Bildungsträger und der Bezug des ersten Büros in Karlsruhe waren große Fortschritte. „Für mich ist jedes neue Feature ein Meilenstein. Weil darin einfach sehr viel Herzblut steckt,“ ergänzt Linda und macht damit klar, dass in Zukunft mit vielen weiteren Meilensteinen zu rechnen ist.

Future of Education Hackathon #3: Bildung von morgen digital gestalten

Beim „Future of Education Hackathon“ kamen mehr als 100 Expert*innen aus Bildung, Tech und Design zwei Tage lang virtuell zusammen und lösten die Herausforderungen der Teams.

Worum es bei dem „Future of Education Hackathon“ geht, brachten die Initiator*innen und Organisator*innen auf den Punkt: „Im Mittelpunkt steht die Lösung gesellschaftlicher Probleme, nicht allein das Digitalisieren. Dafür ist die richtige Einstellung notwendig. Und der Hackathon bringt Menschen mit dieser Einstellung zusammen.“ Mit diesen Worten begrüßte Ole Wulff (Amazon) zusammen mit Laura Benning (Stifterverband), Lars Schmitz (Amazon Web Services) und Leonhard Nima (N3XTCODER) die Teilnehmer*innen. N3XTCODER, ein Berliner Start-up, das das nachhaltige Lösen gesellschaftlicher Probleme durch Technologie fördert, war federführend verantwortlich für die Organisation des Hackathons. Was den Hackathon ausmachte: herausfordernde Fragestellungen, interdisziplinäre Teams, unterschiedliche Denk-, Arbeits- und Herangehensweisen – und jede Menge Spaß an neuen Lösungen.

Startschuss für die Arbeitsphase: Das Haydee! Team ermöglicht Schüler*innen aus Nicht-Akademiker*innen-Haushalten und Familien mit Migrationsgeschichte kostenlose, digitale 1:1- Nachhilfe. Während des Hackathons arbeiteten sie daran, den Anmeldeprozess und die Kommunikation zwischen Mentees und Mentor*innen einfacher zu gestalten. Das Ergebnis: das Konzept für die Haydee!-App, über die Termine gebucht, Matches gefunden und sich ausgetauscht werden kann. „Wir freuen uns sehr über die Gelegenheit, die uns der Hackathon geboten hat, und blicken auf weitere arbeitsreiche Monate, um das Leben von Schüler*innen zu erleichtern“, berichtet das Team.

Der Verein Schule ein Gesicht geben e.V. will bestehendes Wissen für Schüler*innenvertretungen auf ihrer Website und in einer App verständlich aufbereiten und einfach zugänglich machen. Ihre Hackathon-Herausforderung? Formate und Umsetzungsmöglichkeiten, die das Wissensarchiv für Jugendliche spannend machen, finden und den neuen Websiteaufbau so aufbereiten, dass mit dem Programmieren begonnen werden kann. „Der Hackathon hat gezeigt, dass die Schwarmintelligenz – das Wissen von Expert*innen aus den verschiedensten Bereichen – ausgerichtet auf unser Projekt, enorm viel bewirken kann“, so Jonas Schmidt, Vorstand und Gründer von Schule ein Gesicht geben e.V.

Die Hacker School bietet Programmier-Projekte an, um junge Menschen für IT und Programmieren zu begeistern. Im Rahmen des Projekts Hacker School @yourschool programmieren Unternehmen gemeinsam mit Schüler*innen im Unterricht und stellen IT-Berufe vor. „Der Tag war unglaublich ergiebig. Wir haben in zwei Teams sehr intensiv und effizient gearbeitet. Wir sind viel weitergekommen, als ich dachte“, berichtet Eva Drechsler-Györkös, Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Hacker School. Beschäftigt hat sich die Hacker School während des Hackathons mit der Kommunikation in Richtung Unternehmen und Schulen: Welche Kanäle erreichen die Zielgruppen und wie können sie Schulen und Unternehmen zur Kontaktaufnahme aktivieren? „Wir haben ganz neue Wege entdeckt, die wir gehen können“, fasst Drechsler-Györkös zusammen.

Innovative Methoden, Tech- und Design-Fähigkeiten sowie Wissen über die Zielgruppen: Was den Teams noch fehlte, brachten die freiwilligen Unterstützer*innen mit in den Hackathon. Viele stellten ihre Programmier- und Designexpertise zur Verfügung. So auch Helmar Stammann und Tugce Yücetürk, Unterstützer*innen im Team LOVIS: „In Tech und Design sehen wir Möglichkeiten, die Welt von morgen mitzugestalten. Das hat allen Spaß gemacht. Wir freuen uns schon auf den nächsten Hackathon!“ Florin Barbuceanu, Senior Solutions Architect bei Amazon Web Services, hat im Team LOVIS dabei unterstützt, einen Chatbot zu bauen und in die Website zu integrieren. „Dabei haben wir rückwärts von dem ausgehend gearbeitet, was für unseren Kund*innen – in diesem Falle Jugendliche verschiedener Altersgruppen – am vorteilhaftesten ist“, erklärt er Working Backwards, die Innovationsmethodik von Amazon, in der Praxis. Im „Future of Education Hackathon“ hat er die perfekte Gelegenheit gesehen, motivierte Menschen dabei zu unterstützen, den Bildungsbereich zu verändern: „Ich glaube, alle haben das Recht auf hochwertige Bildung. Wie diese leichter zugänglich und effizienter gemacht werden kann, interessiert mich sehr“, ergänzt er.

Einen ganzen Tag lang konzipierten, designten und programmierten die Teams mit den freiwilligen Helfer*innen. So entstanden neue Designs, erste Prototypen und Konzepte: von Websites und Chatbots über Customer Journeys bis hin zu Social Media-Auftritten. Einige Teams feilten bis spät in die Nacht an ihren Prototypen und Präsentationen. Am nächsten Tag entschied die Jury. Darunter Lars Schmitz, Kristin Levin vom Landessportbund Niedersachsen e.V., die 2018 bei digital.engagiert Platz 3 belegte, Stephanie Frost, Mitgründerin bei Vostel Volunteering, die 2018 auch Teil von digital.engagiert war, Sabrina Goerlich, Design Strategist, Gründerin und Trainerin, und Farid Bidardel, Mitgründer von TensorParc und Vorstandsmitglied von CodeDoor.org.

Welche Fortschritte konnten die Teams erzielen? Wussten die Gruppen die Expertise ihrer Helfer*innen einzusetzen? Wie viel Potenzial sieht die Jury in den Projekten? „Die Teilnehmenden haben innerhalb kürzester Zeit tolle Leistungen erbracht. Das wird eine sehr schwere Entscheidung!“, so Lars Schmitz. Die Wahl fiel schließlich auf LOVIS. Die Gewinnerinnen machen Sexualbildung digital. Über eine Website und eine App als Sexualwissensplattformen mit integriertem Chatbot können sich Teenager altersgerecht und anonym über Themen der sexuellen Entwicklung informieren. Gemeinsam mit den freiwilligen Helfer*innen widmete sich das Team während des Hackathons zwei Herausforderungen: dem Website-Design und dem Chatbot. Innerhalb weniger Stunden erneuerten sie das gesamte Website-Design und programmierten eine erste Version ihres Chatbots. „Die Zusammenarbeit hat sehr viel Spaß gemacht! Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber wir sind motivierter denn je: Wir haben einen Meilenstein erreicht und den Beweis erbracht, dass wir in der Lage sind, einen Sex-Ed-Chatbot praktisch umzusetzen“, so Jana Pyrek von LOVIS. Als Preis erhält das Team technische Unterstützung von N3XTCODER für einen gesamten Tag. Zudem darf das Team gemeinsam mit dem zweitplatzierten Team Haydee! und Platz drei, Hackerschool, seine Idee im August auf einem N3XTCODER Tech-Meet-up erneut vorstellen.


Rückwärts arbeiten – und Innovationen vorantreiben

„Lass uns mal ‘ne App bauen!“ Eine Produktidee ist schnell skizziert. Doch vor der Entwicklung lohnt es sich, ein paar Schritte zurückzugehen. Was ist eigentlich das Problem, das das neue Produkt lösen soll? Und wer hat das Problem eigentlich genau? Ein Beispiel: Eine App für sexuelle Aufklärung war die Idee der LOVIS-Gründerinnen Antonia Böttinger, Jana Pyrek und Sarah Holzenkamp. Gute Idee! Damit die App auch bei der jugendlichen Zielgruppe ankommt, haben sich die drei Entwicklerinnen in die Lebenswelt der Anwender*innen begeben, um die Bedürfnisse auch wirklich zu verstehen. Dazu nutzten sie Amazons Innovationsmethodik „Working Backwards“.

Diese Methodik startet am Ende des Innovationsprozesses und skizziert direkt am Anfang, was am Ende rauskommen soll – damit das Produkt nicht nur da ist, sondern tatsächliche Probleme von Menschen löst. Dieses Vorgehen ist schon lange Teil in Amazons Alltag. Für die Teams der 4. Förderrunde von digital.engagiert ist es das jetzt auch. Lars Schmitz, Digital Innovation Lead bei Amazon Web Services (AWS) und Jurymitglied von digital.engagiert zeigte den Teams in einem zweitägigen virtuellen Workshop, wie man die Methodik angeht und teilte seine Erfahrungen aus der Produktentwicklung und dem Startup-Coaching mit ihnen. Am Anfang standen einige Kernfragen: Wer sind die Anwender*innen und welche Probleme haben sie? Welchen Nutzen soll das Produkt für sie erfüllen? Und wie erfährt die Zielgruppe das Produkt? Lässt sich der Bedarf an der Produktidee durch Daten belegen?

Sind die zentralen Fragen beantwortet, machen die Teams einen gedanklichen Sprung in die Zukunft und entwickeln eine fiktive Pressemitteilung. Ziel ist es, den Nutzen des jeweiligen Produkts für eine ganz spezielle Zielgruppe auf den Punkt zu bringen. Ein Storyboard hält das gewünschte Erlebnis visuell fest.

Diese Erfahrung hat auch das digital.engagiert Team LOVIS gemacht. LOVIS nimmt sich dem geschilderten Problem vieler Jugendlicher an und macht Sexualbildung digital. Das Team entwickelt eine App mit Wissensplattform und Chatbot, über die sich Teenager anonym und altersgerecht über Themen der sexuellen Entwicklung informieren können. Working Backwards hat ihre Perspektive verändert: „Man setzt eine Brille auf, mit der man die Nutzer*innen plötzlich ganz anders sieht“. So hat das Team mithilfe der „Anwender-Brille“ ein weiteres Teilproblem ihrer Zielgruppe identifizieren können: Den Faktor Zeit bei der Informationsbeschaffung. Das geht digital am schnellsten. Das Hineinversetzen in die Nutzer*innen fiel ihnen leicht. Schwerer war es, deren Problem und Bedürfnisse kurz und prägnant in Worte zu fassen. Mit dem Ergebnis sind sie zufrieden: „Wir hatten plötzlich vereinfacht vor Augen, was wirklich Sache ist.“

Bestärkt durch die neuen Erkenntnisse aus dem Working-Backwards-Workshop hat sich das Team in die Vorbereitungen für den anstehenden Hackathon gestürzt. Zwei spannende Fragen bewegen das Team schon jetzt: Welche Expert*innen werden ihnen unterstützend zur Seite stehen und welche Themen werden sie gemeinsam angehen?

Der Future of Education-Hackathon geht in die 3. Runde: Seid dabei!

Digitale Bildung braucht neue Ideen. Die spannendsten findet ihr beim digital.engagiert-Hackathon! Helft den zwölf Teams dabei, mehr aus ihren Ideen zu machen! 

Am Donnerstag, 29. April 2021, veranstaltet digital.engagiert in Zusammenarbeit mit N3XTCODER den Future of Education-Hackathon #3. Egal ob Product Owner, Design- oder Bildungsexpert*innen – unterstützt, inspiriert und fordert unsere Teams mit eurer Expertise und euren Erfahrungen heraus. 

Das ganztägige Online-Event bietet euch die Möglichkeit mit inspirierenden Social Entrepreneurs und Engagierten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzuarbeiten: Teilt euer Wissen und eure Fähigkeiten und leistet einen Beitrag zur Digitalisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig lernt ihr Experten von Amazon, AWS, dem Stifterverband und viele weitere kreative Köpfe aus dem Tech-Bereich sowie dem sozialen Sektor kennen und erweitert so euer professionelles Netzwerk. 

Freut euch auf spannende digitale Lösungen und eine bunte Gemeinschaft aus Change Makern!

Ihr wollt mehr über den Hackathon erfahren? Schaut hier vorbei!

Direkt zur Anmeldung für die Teilnahme am Hackathon geht es hier! Die Anmeldefrist ist der 25. April 2021.